Wansleben am See, 24. - 25.07.2009
Zwischen Wansleben und Teutschenthal gibt es 2009 die ultimative Sachsen-Anhalter "Umsonst und Draussen-Variante", mit Eintritt frei, Zelten frei und Parken frei! Die Mosh-Metaller von Manos (aus Querfurt und Umgebung) feiern ihren 25. Band-Geburtstag, wie es die Welt so noch nicht gesehen hat! Mit etlichen Kumpelbands und einem Nostalgie-Auftritt ihrer unvergessenen Urbesetzung Löwenherz jagt ein musikalischer Höhepunkt den nächsten...
Aus dem Untergrund heraus hat sich diese Ausnahme-Kombo innerhalb von zweieinhalb Jahrzehnten eine Art eigenen Mikrokosmos errichtet, in welchem regelmäßig die gültigen Strukturen der kommerziellen Musikszene außer Kraft gesetzt werden. Manos kann man nicht beschreiben, Manos muss man erleben! Keiner anderen deutschen Band gelingt es dermaßen schwerelos, anspruchsvollen Trash/Death mit unnachahmlich schrägen Comedy-Nummern zu verquicken und sich täglich neu zu erfinden. Klamotten im Anti-Trend und alberne Kostümierungen sind dabei ebenso wichtig, wie im Eigenbau geschaffene Deko-Kreationen. Ob Waschmaschinenkarton oder Aufblaskrokodil, bei Manos findet alles seine kreative Neuverwertung, auch die Instrumente erinnern eher an Wegwerf-Modelle als an spielbares Equipment. Die Bühnenausstattung der Band gleicht einem unerschöpflichen Theaterfundus, welcher durch kultige Ostprodukt-Überbleibsel und müllreife "Geschenke" für die Fans vor der Bühne eine zusätzliche Aufwertung erfährt... Unvergesslich anarchische Mega-Gigs beim With Full Force-Festival in Leipzig, beim Party.San Open Air in Bad Berka, beim Ostseepunkrock des Force Attack Festivals oder beim Wacken-Open-Air vor tausenden Leuten sprechen Bände! Selbst die traditionellen Weihnachtskonzerte sind legendär! Beim großen Set-Finale jedes Gigs tummeln sich oft ganze Schwärme ausgeflippt herum springender Fans auf der Bühne, so dass die drei Band-Mitglieder zwischen den sich selbst neu erfindenden Konzertbesuchern kaum noch auszumachen sind. Manos haben sich rein menschlich in all den Jahren nicht verändert, sind sich verblüffend treu geblieben, wobei ihre Musik mittlerweile professionelle Höhenflüge erreicht, die das aktuelle Album Genocide bestens widerspiegelt. Sich selber nicht zu wichtig zu nehmen, scheint das gut funktionierende Geheimrezept der drei Chaos-Strategen zu sein. Immer auf Augenhöhe mit ihren Bewunderern sind ihnen Star-Alyren völlig fremd. Wer den Querfurtern begegnet, muss sie einfach mögen und respektieren. Die Gemeinde bekennender "Manosianer" erweist sich als große Familie, deren Stärke daraus erwächst, dass man einfach gemeinsam Spaß haben will, als Gleicher unter Gleichgesinnten.
Das Campinggelände ist nur einige Minuten Fußweg vom Festivalgelände entfernt, die Zufahrtswege dorthin und zum Backstage-Bereich hat Basser Eule in tagelanger Arbeit gemäht und somit befahrbar gemacht.
Zwei gewaltige Regengüsse vor Festivalbeginn sind glücklicherweise schnell überwunden, die Bands beider Tage rocken fast ausschließlich bei schönstem Sommerwetter. Das gemütliche Gelände borgt die Gemeinde, die Veranstaltung selbst wird fast ausschließlich durch Getränke-Ausschank finanziert... Die Vorfinanzierung, inklusive fairer Unkostenerstattung für alle beteiligten Bands, in Höhe einer fünfstelligen Zahl (!) haben Manos selber gestemmt, aus Gagen ihrer vorangegangenen Konzerte! Umso erstaunlicher sind die humanen Wanstock-Preise in Anbetracht dessen!
Bier 0,3 l: 1,50 Euro, Cola-Whiskey oder C.-Wodka 0,3l: 2,00 Euro, 1 Flasche Wein: 6,00 Euro, Cola, Fanta, Sprite, Wasser 0,3 l: 1,00 Euro, Kaffee: 1,00 Euro. Umwelttechnisch sinnvoller Becherpfand a 50 Cent...
Rostbrat"wurscht": 1,50 Euro, Jagd"wurscht" (auch ohne Waffenschein): 1,50 Euro, Steak: 2,00 Euro. Da ist der Euro ausnahmsweise mal kein Teuro! Der nahe gelegene Seel lockt zum Nacktbaden. Da kann man selbst die Sorgenfalten, die Badesachen und die Freibadkosten sparen.
Für lupenreinen Sound zeichnet an beiden Abenden Die Liz verantwortlich, die als studierte Archäologin die Woche über im Hallenser Museum die "Weichen stellt" und beim Wanstock souverän Kabel entknotet, Musiker "verstöpselt", Regler schiebt, Knöpfe dreht und die Sound-Monitore cool im Griff hat. Auch der Lichttechniker sei an dieser Stelle für gute Arbeit gewürdigt.
Unkompliziert geht man bei der Backstage-Kennung vor: rosa Wollfäden aus Oma's Nähkästchen für die Bands, schwarze Wollfäden für die Presse. Teure Plastikpässe oder -Bänder sind somit überflüssig.
Freitag:
Nach einem anspruchsvollen Soundcheck legen sich gegen 19.30 Uhr nun endlich die Musiker in die Kurve.
Das erste Geburtstagsständchen-Konzert kommt von Guts And Glory. Die jungen Death-Rocker GOREbatschow (Gitarre & Gesang), e-GORE (Bass), Disgeorge (Drums) und Atusch (Gitarre) aus Alberstedt steigern sich mit der Zeit, bringen Grind Vocals und plötzlich gar Rock'n'Roll Einflüsse ein. Eat Me, Into The Tomb oder Dismemberment lassen es rumpeln, in der kultig mit einem riesigen Wanstock-Schriftzug aus Holzlatten geschmückten Bretterbude. Dass die Jungs in ihrer Entwicklung auf Manos-Andrew als musikalischen Mentor zurückgreifen konnten, scheint Früchte zu tragen! Weiter kräftig durch die Hose atmen, Jungs!
Die liebevoll vorbereiteten Chaos-Ansagen kommen übrigens von Szene-Kultfigur Loewe, auch bekannt als Sänger der Anarchie-Combo Verstärkertod, der dem Festival eine Note amüsanter Realsatire verleiht...und mit jedem Geburtstagsschluck putziger wird!
Faeex aus Klostermansfeld Punk-rocken mit Ska-Einflüssen. Knackige Mitsingrefrains und schrummelnde Klampfen sorgen dafür, dass schon jetzt vor der Bühne einiges los ist. Faeex knacken lockere Punk-Rundumschläge aus der Hüfte, während auch die Getränke-Stände am See ihren ersten Konsumenten-Zulauf bekommen. Nicht umsonst hat man sich hier Manos zu Ehren in lange vorher aufgestauter Geburtstagslaune versammelt. Der Weg ist das Ziel und das Ziel heißt: kollektiven Spaß an der Freude haben!
Die untergehende Sonne breitet sanfte Pastell-Töne über das saftig begrünte, ehemalige Bergbau-Gelände, als Bloodland (aus Bad Dürrenberg) die Szenerie betreten. Höllisch guter, treibender Oldschool Death Metal a la Obituary oder Cannibal Corpse, fett, brutal und soundgewaltig, mit deftigen Growls, sattem Riffing und bauchlastigen Grooves geht durch Mark und Bein. Maik (vocals), Peter (leadguitar), Pille (riffguitar), Rob (bassguitar) und Chris (drum-"guitar") ;-) tragen noch die Spuren geselligen Tomatensoßen-Essens am Körper. Ten Nails, Buried Alive und Time For The Bonesaw seien hier - als nur einige Highlights ihres Schredder-Sets - gewürdigt.
Mainpoint (aus Rostock) kreieren Gothic Metal Rock mit tief tönenden Gänsehaut-Vocals und melodischen Pop-Element-Nuancen. In den letzten Jahren sind die Fischköppe, die bereits seit 1996 die düsteren Soundgewässer der Musikszene durchschwimmen, noch melodischer und eingängiger geworden. Gemeinsame Konzerte mit Postmortem, Tanzwut, Oomph! oder Kreator haben ihrer Vielseitigkeit keineswegs geschadet. Beim Wanstock gibt es atmosphärische Ohrschmeichler ihrer 2002er Heaven/Earth-Scheibe ebenso zu hören, wie vom 2003er Planet Paradise oder der 2007exzellent klangdurchfeuchteten und magisch rockenden Under Water-CD.
Radioactive, Dark Deep Down, Crows, Ave Satani! und Deathroad Labyrinth würden Mr. Pete Steele von Type O Negative ein wenig vor Neid erblassen lassen... vorausgesetzt Manos hätten ihn eingeladen. Die charismatische Stimme von Fronter Axel taugt noch immer für eine gepflegte Gänsehaut und der vor zwei Jahren zur Band gestoßene Wuseltieftöner Ulf "Fluffi" Reinhard passt (wie schon bei den Crushing Caspars und seinem eigenen genialen Soloprojekt Tiki God) genial ins homogene Bild, mit Karsten (Gitarre), Philip (Schlagwerk) und Johannes (Keyboards).
Crushing Caspars präsentieren sich in komplett neuer Besetzung (Gründungsmitglied und Gitarrist Snoopi mal ausgenommen). Ronny, Botte und Kai mussten aus privaten, gesundheitlichen und beruflichen Gründen die Segel streichen. Alle Neuzugänge, sprich: Herrmann (Schlagzeug), Timmer (Gitarre, Gesang) und Kochi (Bass, Gesang) haben es - wie könnte es anders sein - spieltechnisch faustdick hinter den Ohren... Front-Bär Snoopy gratuliert Manos zünftig zum 25. Geburtstag, wie es noch viele weitere Kumpelbands an diesen beiden Tagen tun werden. Die Chance zum Stagediving wird in den ersten Reihen gerne genutzt, die Caspars geben Vollgas ohne Gnade und das Publikum rockt ausgelassen mit. Company, Gotta Go, Provocation, Viva La Rostock, Caspars Attack und mehr, Core'n'Roll "bis der Arzt kommt". Die Crushing Caspars haben für jeden muskulären Energiestau ein Lockerungsrezept!
Einem perfekten Sound zuliebe - mit Rücksichtnahme auf den Metall-Schaukel-Aufbau und das die Bühne sprengende Drum-Equipment - gehen die Die Apokalyptischen Reiter aus Weimar, Thüringen, erst kurz vor 1.30 Uhr auf die Bühne. Fuchs (Gesang, Gitarre), Volk-Man (Gitarre), Dr. Pest (Keyboard & Schaukel), Sir G. (Schlagzeug) und der 2009 neu hinzu gekommene Ady (Gitarre) werden wie Helden oder Könige begrüßt.
Ihre aktuelle Studioscheibe Licht lässt die Reiterfans vor der Bühne vor Begeisterung erstrahlen. Bombastische melodiebeladene Sounds und klangliche Stilbrüche harmonieren mit sinnreichen Lyrics und einer Liveshow, die weder vor der siebenschwänzigen Peitsche noch vor Pathos und gezielt eingesetzter Theatralik Halt macht. Wer die Apokalypse nicht fürchtet, schert sich nicht um Konventionen! Ein Meer aus immer wieder euphorisch hochgerissenen Armen, fliegenden Headbangerschädeln, anfeuernden Rufen und verblüffend textsicheren Fans, so rock'n'rollt man gemeinsam Richtung Sonnenaufgang...
Adrenalin (Rammstein meets Knorkator...), Der Seemann, Der Weg, Der Adler oder die hymnenhafte Reitermania durchtränken die Luft des Bergbaugeländes mit spürbarem Gemeinschaftsgefühl und herb-süßem Liveschweiß, bis 3.00 Uhr morgens!
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